Test KTM Duke 125: Hardware für die Generation Facebook
Vor einiger Zeit haben wir einige Fotos von der neuen KTM Duke 125 gezeigt, geschossen auf einer der Präsentationen der Mattighofener. Unser Autor moto1203 war bei einem der Tests dabei und hat uns seine Eindrücke rüber gereicht. Sein Urteil: ein erwachsenes Motorrad für Heranwachsende. Enjoy!
Der österreichische Hersteller KTM macht sich um den Nachwuchs verdient: Mit der Duke 125 hat er ein Leichtkraftrad in Umlauf gebracht, das den Vergleich mit großen Naked Bikes nicht scheuen muss. Auch der Preis für den Novizen-Renner stimmt.
KTM hätte den einfachen Weg gehen können, um den jüngsten Sproß in der Duke-Familie auf die Straße zu bringen. Einen Motor aus Fernost kaufen, ein vorhandenen Rahmen aus der heimischen Sportler-Schmiede zurecht schneidern, möglichst kostengünstige Standardteile plus orange Verkleidung anbauen, und das Markenlogo fürs Zielgruppen-Marketing aufkleben.
Aber die Entwickler im Mattighofener Werk waren ehrgeizig. Und Billigware? Das wollte sich KTM nicht leisten, das sieht man auf den ersten Blick. Das Einsteigermodell steht so kompakt und bullig da wie die großen Dukes, und posaunt den Marken-Slogan laut raus: „Ich bin KTM. Ich bin ready to race!“ Entsprechend hochwertig sind die Komponenten: ein edler Gitterrohrrahmen, eine Upside-Down-Gabel mit 43 Millimetern Tauchrohrdurchmesser wie beim hauseigenen Superbike RC 8, ein Federbein vom Spezialisten WP Suspension, ein 150er Hinterradreifen in filigraner Gussschwinge. Alles perfekt abgestimmt.
Dass KTM es vermeiden wollte, seinen guten Ruf mit einem Discounter-Bike zu beschädigt hätte, belegt auch der Motor der 125er. Ein seit 2008 geplantes und entwickeltes Triebwerk, ein wassergekühlter Einzylinder-Viertaktaggregat, das sich für die Leichtkraftrad-Klasse mit 15 PS begnügt, aber in der Technik den großen KTM-Maschinen in nichts nachsteht. Zwei oben liegende Nockenwellen betätigen die vier Ventile über Schlepphebel, fünfstellige Drehzahlen damit sind locker drin; die Einzylinder-typischen Vibrationen minimiert eine Ausgleichswelle. Im Betrieb bläst das kleine Kraftwerk in einen Kastenauspuff, der nicht übermäßig laut, aber kräftig wie eine offene Renntüte blubbert – in der Tat ist die Kombination für mehr Schmackes gemacht: In Zukunft soll eine 200 Kubik-Version für den asiatischen Markt und eine weiter aufgebohrte Euro-Variante für die 250er-Klasse folgen; das Fahrwerk verträgt sicher auch 350 Kubik.
Auch der Rest der Ausstattung ist der Achtelliter-Klasse schon längst entwachsen. Das Faust-große LCD-Display bietet Informationen, die man selbst bei größeren und weitaus teureren Motorrädern sucht: Tachometer, Drehzahl- und Ganganzeige, eine Tankuhr, kombiniert mit einem vollwertigen Bordcomputer, der Werte wie z.B. die Fahrzeit und den Verbrauch (ca. vier Liter auf Hundert Kilometer) anzeigt. Unterm Strich: Die 125er ist ein erwachsenes Motorrad für Heranwachsende.
Grinsen auf der Strecke
Zugegeben: Der Umstieg auf die kleine Duke mit ihren nur 15 PS ist zu Beginn gewöhnungsbedürftig. Doch wenn die Kleine mit ihrem hervorragenden Fahrwerk erst mal ins Rollen kommt, macht sie richtig Spaß. Kein Stottern bei niedriger Drehzahl oder bei der Gasannahme (logischerweise Vollgas, es gibt nur Vollgas bei 15 PS). Die sechs Gänge lassen sich präzise durchschalten, das Motörchen dreht spritzig bis über 11.000 Umdrehungen.
Auf dem abgesperrten Rund-Parcours des ADAC Lüneburg folgt die kleine Duke mit ihren 138 Kg (vollgetankt) leichtfüßig und ohne das geringste Drudeln der Ideallinie: Sauberes Handling wie eine kleine Supermoto. Kurvenverhalten? Überragend, leider gibt es hier so wenige Schikanen. Auch die Bremsen (von der Tochter Bybre der Edelmarke Brembo) sind mehr als ausreichend und lassen beim Auslauf spektakuläre Stoppies zu. ABS gibt es (noch) nicht.
Auch auf der Landstraße ist man mit dem Leichtkraftrad als Anfänger gut bedient: genügend Reserven zum flüssigen Überholen, eine ergonomisch korrekte Sitzposition; auch die Freundin hat hinten genügend Platz. Happy cruising, Motorradfahren kann so einfach sein. Darum legt KTM die Klein-Duke Fahrschülern mit einem kostengünstigen Leasing-Paket besonders ans Herz.
Indische Connection
Das Kalkül, das hinter der Duke 125 steht, heißt: Ist der Fahrer erst mal angefixt, bleibt er später bei der Marke. Doch der Grund, warum KTM das Spaßgerät für den Nachwuchs zum Kampfpreis von 3.995,00 Euro anbieten kann, lautet Rajiv Bajaj. Der indische Zweirad-Krösus, der etwas über ein Drittel Anteile an der österreichischen KTM Power Sports AG hält, fertigt Rahmen und Motor und baut die Maschinen in Indien zusammen. Die Qualität hat darunter nicht gelitten – das darf sie auch nicht. Für KTM ist die kleinste Duke weit mehr als ein weiteres Fahrzeug in der Modellpalette – in Mattighofen spricht man angesichts der immensen Investitionen in die neue Klasse, in der man sich etablieren will, von einer „breiten Zukunftsplattform“ und von einem „Jugendprojekt“.
Das löbliche Unterfangen für eine schwächelnde Branche, deren Kundschaft im Schnitt inzwischen auf die Altersteilzeit zusteuert, schlägt sich auch in der Vermarktung nieder: bunte Styling-Sets zur Individualisierung der Maschinen, ein kaum den Kinderschuhen entwachsener 125er-Stunt-Fahrer, ein quietsch-buntes Klamotten-Sortiment als Zubehör und eine Facebook-Page, die mittlerweile über 50.000 Fans hat. Unter ihnen hat KTM auch seine „125 Squad“ als Markenbotschafter rekrutieren können – mit dem richtigen Tonfall für die junge Generation Facebook: „Hey, wir denken, die Welt braucht Motorräder, die verdammt gut aussehen, genauso gut fahren und mit günstigen Preisen in Anschaffung und Unterhalt erfreuen. ARE YOU READY?“ Mit der Duke 125: „YES.“
(c) moto1203
Und hier noch zur Einstimmung ein Video:

















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