Wechselkennzeichen-Regelung: ätzende Kritik am “Luftnummernschild”

 

Das neue Wechselkennzeichen für Motorräder und PKWs wird wohl kein Renner. Die gesetzliche Ausgestaltung der eigentlich guten Idee stößt auf harsche Kritik.

 

 

Das neue Wechselkennzeichen soll nach einem Beschluß des Bundesrates Mitte 2012 kommen und für zwei Fahrzeuge gelten – im Gegensatz etwa zu Österrreich, wo drei Fahrzeuge mit einem Wechselkennzeichen betrieben werden können.

 

Voraussetzung für ein deutsches Wechselkennzeichen ist, dass die Fahrzeuge in die gleiche Kfz-Klasse (z.B. (M1, L oder O1) fallen und die Halter Nummernschilder gleicher Abmessungen verwenden können. Diese können also nicht für Auto und Motorrad wechselweise verwendet werden. Wer ein Auto und ein Motorrad angemeldet hat, braucht in der Praxis also zwei Sets. Und billiger in Anschaffung und Unterhalt wird die Regelung auch nicht werden.

 

In der Praxis wäre die Idee gut gewesen: Zwei Fahrzeuge, eine Versicherung – je nach Wetter oder Ziel hätte die kleine Enduro oder der Stadtroller statt des Tourenschiffs in Einsatz kommen können.

 

So soll es nach den jetzt vorliegenden gesetzlichen Regleung nicht laufen. Statt dessen müssen beide Fahrzeuge voll versteuert und versichert werden. Doppelte Kosten. Ursprünglich war geplant gewesen, dass von allen über ein Wechselkennzeichen versicherten Fahrzeugen nur für das teuerste Steuern fällig würden. Vergünstigungen bei der Steuer hat Finanzminister Schäuble jedoch ablehnend bescheinigt.

 

Die Versicherungswirtschaft hält sich noch zurück. Dass die Versicherer Wechselkennzeichen-Tarife anbieten werden, die Einsparungen bedeuten würden, ist zwar wahrscheinlich. Verkehrsstaatssekretär Andreas Scheuer sagte gegen über einer Presseagentur, er erwarte von den Versicherern “sehr gute Pakete.” Doch in der Realität werden die Ermäßigungen die Mehrkosten durch die Anschaffung zweier Bleche-Sets nicht ausgleichen können; die Neuzulassung schlägt laut GTÜ nach derzeitigem Stand je Fahrzeug mit rund 105 Euro zu Buche – 40 Euro Sachkosten und ca. 65 Euro Verwaltungsgebühren. Plus neuer Halterungen am Motorrad, die auch nicht billig sind.

 

So hat die Kritik an der Neureglung “Halt typisch deutsche Umsetzung einer sehr guten Idee…”, von der niemand sagen kann, wie lange sie gelten wird, nicht lange auf sich warten lassen: “Voll daneben. Ich behalte meine alten Nummernschilder und versichere meine Fahrzeuge einzeln”, schreibt eine Userin auf unserer Facebook-Seite: ein wohl praktibler und billigerer Weg.

 

Auch Spiegel Online hat die Regelung aus dem Hause Ramsauer kommentiert: “Es hätte so schön sein können. Die Menschen in Deutschland hätten Geld gespart, sie hätten sich vielleicht mehr Autos gekauft und den Staat hätten sie vermutlich auch geliebt. Wenn alles gut gegangen wäre, hätte er ja ein Stück Bürokratie abgeschafft. Er wäre lässig gewesen.”

 

Lässig ist es aber nach SPON nicht geworden: “”Wenn das Wechselkennzeichen, so wie es ist, in ein paar Jahren wieder begraben wird, ist es auch nicht weiter schlimm. Man wünschte sich jetzt nur noch, dass sich Peter Ramsauer dazu bekennen würde. Das Wechselkennzeichen ist, so wie es am Ende verabschiedet wurde, eine Luftnummer. Es ist ein Luftnummernschild.”

 

Es wird also ab Sommer alles beim Alten bleiben: Zwei Motorräder. Zwei Kennzeichen.

 

 

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Kommentare

  1. Marc sagt:

    Jop, völlig zerredet von der deutschen Bürokratie. Überflüssig. Luftnummer.

    Wie immer.

  2. BMWRider sagt:

    Das ganze ist ja wohl mehr als überflüssig… Klappt in anderen Ländern aber bei uns mal wieder nicht!

  3. Katja sagt:

    Es ist wie immer typisch deutsch. Aber wer hätte das eigentlich nicht erwartet? Mich wundert es ehrlich nicht, das so etwas herauskommt!

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